Leben im Dorf, ab 3.09.2005
Karolina (links) und Pär (Mitte) auf der unerwartet grossen
Barbecue-Fete
Nun wurden wir endlich einmal sesshaft. Ich freute mich unendlich, meinen Koffer leermachen zu können. Und das an
einem genialen Ort: Dem Columbia Lake Village (CLV), einem Studentendorf nordöstlich vom Campus, bestehend aus
100 Townhouses à 4 Personen, und einem Community Centre mit Rezeption, Tischtennis, Poolbillard, Waschmaschinen,
ausleihbaren DVDs, einem riesigen Flachbildfernseher und sonstigen Nettigkeiten. 100 mal 4 macht also 400 Studenten,
die sich unterm Semester hier so rumtreiben.
An meinem ersten Tag dort traf ich Adam, der schon eingezogen war. Adam ist 2nd year student in Urban Planning, im Moment ist er noch 18 und wird im November 19. Pär aus Schweden kam am Abend meines ersten Tages mit seiner Freundin Karolina an und wir verstanden uns sofort genial. An diesem Tag zeigte sich gleich eine der geilsten Eigenschaften dieser Community hier: Man ist mittags eine Handvoll Leute, die überlegt ob man am Abend nicht grillen solle, und am Abend gibt es eine lustige Party mit 30 Leuten, weil jeder noch 2 bis 3 anderen Bescheid gesagt hat. So wurde ich von Martin aus Mannheim informiert und fragte Pär und Karolina und Matthias ob sie nicht auch kommen wollten. Also hatten wir bei ein paar Bier gleich mal einige nette Gespräche, leider wurde die Party aufgelöst als um 22 Uhr die Polizei kam. Sie haben uns aber gelobt, dass wir sehr ruhig und diszipliniert waren und sie auch nicht verstünden warum sie jemand angerufen hat. Nochmal zu den Drinking Laws hier: Man darf nicht in der Öffentlichkeit trinken, und da das CLV zur Uni gehört, darf man eigentlich nicht mit Alkohol in der Hand ausserhalb eines Gebäudes gesehen werden. Die Polizei müsste eigentlich gesehen haben, dass fast jeder Bier dabei hatte, aber vielleicht haben sie einfach ein Auge zugedrückt. Schliesslich waren wir direkt beim Community Centre, wir konnten ja nicht drinnen grillen. Jedenfalls sind wir danach noch zu Johanna (Schweden) in Townhouse Nummer 47 (oder "Unit 47", wie es hier heisst) und haben dort den Abend fortgesetzt. So hat man gleich tonnenweise Leute kennengelernt und konnte sich nachher höchstens jeden zweiten Namen noch merken (und meistens keinen von den asiatischen...).
Jonah, mein dritter Mitbewohner, zog am Montag ein. Adam und er kannten sich schon und hatten glaube ich beantragt,
dass sie zusammen wohnen. Jonah ist im Moment 19, ebenfalls 2nd year wie Adam, und studiert Psychologie. Beide kommen
aus Toronto bzw. einem Vorort davon. Zwei Kanadier im Haus zu haben stellte sich als sehr nützlich heraus, da sie Sachen
besorgen können, die für uns eher mal niedrige Priorität hätten: Fernseher, DVD-Spieler mit zugehöriger Filmesammlung,
alles mögliche an Küchenutensilien und so weiter.
Die Woche vor der Uni verlief dann echt angenehm: Sonntag und Montag spielten wir Fussball, so dass ich am Dienstag kaum
noch laufen konnte, ansonsten gab's Orientierungsveranstaltungen an der Uni (ich hätte wohl 3 bis 4 Campustouren mitmachen
können), die uns oft durch free food versüsst wurden (Pizza, lecker!) und dauernd waren Leute bei uns oder wir bei anderen
Leuten. Ich hätte es echt noch eine Weile aushalten können ohne Uni :-) Das Wetter war nämlich auch genial, am Sonntag vor
Schulanfang waren wir schwimmen und am Samstag davor erlebte ich mein erstes Footballspiel: Unsere Unimannschaft, die
Waterloo Warriors, gegen Toronto. Waterloo gewann 29:28, aber eigentlich waren sie klar besser. Was uns Austauschstudenten
etwas amüsierte, war das Cheering: Ein Anfeuerer würde zum Beispiel "Water" rufen, worauf das Publikum mit
"loo" antwortet. Der Dialog ging dann so (immer im Wechsel): Water - loo! - Water - loo! Water Water Water -
loo loo loo! Joél aus Frankreich (absolut witziger Mensch) meinte mit einem süffisanten Lächeln: "It is a different culture."
Und wenn die Gegnermannschaft kurz vor der Touchdown-Zone von Waterloo stand, stimmten die Cheerleader "Defense"-Sprechchöre
an und hampelten dazu rum. War echt interessant - und lustig. Die Cheerleader haben aber auch ganz nette Sachen gezeigt was
Akrobatik betrifft (Video, 6.24 MB gross). Im kanadischen Football gibt's übrigens
nur 3 Downs im Vergleich zu 4 in den USA, und in den Spielunterbrechungen läuft laute Rock- oder HipHop-Musik. Da es sehr
viele Spielunterbrechungen gibt, ziehen sich die 4 mal 15 Minuten Spiel recht lange hin, dieses Spiel dauerte fast 4 Stunden.
Unsere idyllischen Townhouses. Beim Fotografieren stand ichauf dem kleinen Hügel, auf dem das Community Centre steht.
Pär und Karolina beim Frühstück an unserer genialen Sitzgruppedraussen
Joe aus England (sieht man, oder?) beim Fussball
Na wo ist der Ball? :-)
Die Cheerleader machen die Menge heiss. David Beckham (Händehinterm Rücken) schaut zu.
In Kanada schauen deutlich mehr Leute zu, wenn zweiUnimannschaften spielen.
Der Columbia Lake - oder so. Er ist auf der anderen Strassenseite.Im Moment Baustelle, er wird tiefer gemacht.